Ihr SharePoint-Server steht im Serverraum und tut seit Jahren, was er soll. Dokumente liegen ordentlich abgelegt, die Teams greifen zu, niemand beschwert sich. Genau darin liegt die Falle. Am 14. Juli 2026 ist für SharePoint Server 2016 und 2019 das letzte Sicherheitsupdate erschienen, danach ist Schluss. So hielt es Borns IT-Blog am Stichtag fest: „Am heutigen 14. Juli 2026 gibt es also letztmalig Sicherheitsupdates." Der Server läuft weiter. Er stört nicht. Und er ist ab jetzt dauerhaft ungeschützt gegen jede neu entdeckte Lücke.
Die kurze Antwort zuerst
Es gibt drei realistische Wege: rüber in die Cloud mit SharePoint Online, auf der eigenen Hardware bleiben mit der Subscription Edition, oder ganz raus aus SharePoint. Welcher der günstigste ist, hängt an drei Fragen: Wie viele Dokumente verwalten Sie, wie viele echte Workflows hängen daran, und wie streng ist Ihre Anforderung, dass die Daten im Haus bleiben. Je mehr eigenständige Prozesse in SharePoint verdrahtet sind und je strenger Ihre Vorgabe zum Speicherort, desto eher lohnt der Verbleib auf eigener Hardware. Je schlanker die Nutzung, desto klarer zieht es Sie in die Cloud. Was in keinem Fall trägt: den alten Server einfach weiterlaufen lassen.
Was am 14. Juli genau passiert ist
SharePoint Server 2016 folgt der Fixed-Lifecycle-Richtlinie von Microsoft, einem Modell mit festen Enddaten. Der Mainstream-Support endete bereits am 13. Juli 2021, der erweiterte Support am 14. Juli 2026. Für SharePoint Server 2019 gilt derselbe Endtermin: Mainstream-Support-Ende am 9. Januar 2024, erweiterter Support bis 14. Juli 2026. Erweiterter Support bedeutet in der Praxis vor allem noch Sicherheitsupdates. Mit dem Stichtag fällt auch dieser letzte Rest weg.
Microsoft führt eine Liste von Server-Produkten, die mindestens bis zu einem festen Datum im Support bleiben. Darauf steht die Subscription Edition mit einem Enddatum vom 31. Dezember 2035. SharePoint Server 2016 und 2019 stehen nicht auf dieser Liste. Ein kostenpflichtiges Programm für verlängerte Sicherheitsupdates, im Fachjargon Extended Security Updates oder kurz ESU, mit dem Microsoft Patches über das offizielle Ende hinaus liefert, hat der Hersteller für diese beiden Versionen bisher nicht angekündigt.
Achtung
Ein SharePoint-Server ohne Sicherheitsupdates ist kein tickendes, sondern ein bereits offenes Problem. Jede Lücke, die ab jetzt in SharePoint 2016 oder 2019 bekannt wird, bleibt auf Ihrem Server dauerhaft ungeschlossen. Es kommt kein Patch mehr.
Hinweis
Ein Detail für die Genauigkeit: Microsoft gibt die Support-Enddaten in pazifischer Zeit an. Umgerechnet auf mitteleuropäische Sommerzeit endet der Support technisch erst am Morgen des 15. Juli 2026. Für Ihre Planung ändert das nichts, der 14. Juli bleibt der Stichtag. Bei vertraglich zugespitzten Fragen ist der Zeitzonen-Hinweis aber gut zu kennen.
Die drei Wege, sortiert nach Ihrer Lage
Weg 1: Rüber in die Cloud mit SharePoint Online
SharePoint Online ist Bestandteil der Microsoft-365-Business-Pläne. Sie mieten die Software als Dienst aus dem Rechenzentrum, Microsoft übernimmt Updates und Betrieb. Microsoft weist die Preise als Nettobeträge pro Nutzer und Monat bei jährlicher Abrechnung aus. Der Einstiegsplan liegt bei rund 6 Euro netto pro Nutzer und Monat (Stand Ende Juli 2026), die höheren Pläne bündeln inzwischen den KI-Assistenten Copilot bereits im Namen und liegen deutlich darüber. Einen exakten Monatsbetrag für Ihren Betrieb rechne ich Ihnen hier bewusst nicht aus, die Preisseite ist dynamisch und die Pläne wurden gerade umgebaut. Verlassen Sie sich auf ein aktuelles Angebot, nicht auf eine Zahl aus einem Blogartikel.
Für wen das passt: Sie nutzen SharePoint im Kern als gemeinsame Dateiablage und für ein paar Team-Websites, die Zahl echter automatisierter Abläufe ist überschaubar, und es gibt keine harte Vorgabe, dass die Daten das Haus nicht verlassen dürfen. Meine Empfehlung für dieses Profil: Der Weg in die Cloud ist hier meist der günstigste und ruhigste, weil Betrieb und Updates aus Ihrer Verantwortung wandern.
Weg 2: Auf eigener Hardware bleiben mit der Subscription Edition
Die SharePoint Server Subscription Edition ist die aktuelle lokale Generation. Sie läuft weiter auf Ihrer eigenen Hardware, folgt aber der Modern-Lifecycle-Richtlinie, also einem Modell ohne festes Enddatum, bei dem der Support an einen aktuellen Patch-Stand geknüpft ist. Verfügbar ist die Edition seit dem 2. November 2021, und Microsoft nennt für sie ein garantiertes Support-Ende von mindestens 31. Dezember 2035. Wer aus SharePoint 2016 oder 2019 kommt, hat es beim Wechsel vergleichsweise leicht: Microsoft unterstützt das Upgrade ausdrücklich aus genau diesen beiden Versionen, über die sogenannte Datenbank-Anfügemethode, bei der die Inhaltsdatenbanken an die neue Farm angehängt werden. Ältere Farmen wie SharePoint 2013 sind in der Upgrade-Anleitung nicht als direkte Quellversion genannt.
Für wen das passt: Sie haben viele Dokumente, gewachsene Workflows und eine klare Anforderung, dass die Daten im eigenen Haus bleiben, etwa aus Datenschutz- oder Branchengründen. Meine Empfehlung für dieses Profil: Bleiben Sie auf eigener Hardware und heben Sie auf die Subscription Edition. Sie behalten die Kontrolle über den Speicherort und kaufen sich mit dem Support bis mindestens Ende 2035 einen langen Planungshorizont.
Weg 3: Raus aus SharePoint
Der dritte Weg ist der ehrlichste für Betriebe, die SharePoint nie wirklich gebraucht haben. Wenn Ihr Server im Alltag nur eine bessere Dateiablage ist, an der kaum echte Prozesse hängen, dann ist ein voller SharePoint, ob Cloud oder lokal, womöglich überdimensioniert. Zu konkreten Alternativprodukten und deren Kosten liegt mir keine belastbare, herstellerunabhängige Zahlenbasis vor, deshalb nenne ich hier bewusst kein Produkt und keinen Preis. Für wen das passt: kleine Betriebe mit schlanker Nutzung, die den Wechsel als Anlass nehmen, ihre Ablage grundsätzlich zu ordnen. Meine Empfehlung für dieses Profil: Prüfen Sie diesen Weg offen mit, aber unterschätzen Sie den Aufwand nicht, Gewachsenes sauber umzuziehen.
Der Punkt, der auf Ihrem Schreibtisch landet, nicht in der IT
Es gibt einen Grund, warum das Thema nicht in der IT-Abteilung endet. Die Datenschutz-Grundverordnung verpflichtet Sie in Artikel 32, unter Berücksichtigung des Stands der Technik geeignete technische und organisatorische Maßnahmen zum Schutz personenbezogener Daten zu treffen. Software, für die es keine Sicherheitsupdates mehr gibt, lässt sich mit dem Stand der Technik schwer in Einklang bringen. Das ist meine Einordnung als Praktiker und die verbreitete Lesart von Aufsichtsbehörden, nicht der Wortlaut des Gesetzes. Ich mache keine Rechtsberatung. Ob und wie das für Ihren Betrieb wiegt, gehört zu Ihrem Datenschutzbeauftragten oder Anwalt.
Für einen Geschäftsführer übersetzt sich das in eine einfache Frage: Im Schadensfall zählt nicht, dass der Server lief, sondern was Sie belegen können, getan zu haben. Glück ist keine dokumentierte Risikomanagementmaßnahme.
Ihr Fahrplan in vier Phasen
Phase 1: Bestandsaufnahme
Bevor Sie über Wege reden, brauchen Sie Zahlen. Welche Version läuft, 2016 oder 2019, wie viele Dokumente und wie viel Datenvolumen liegen darin, und welche Workflows hängen wirklich daran. Der Grund: Ohne diese Inventur wählen Sie den Weg im Blindflug, und genau da entstehen die teuren Überraschungen.
Tipp
Schreiben Sie Ihre echten Workflows in einem Satz pro Ablauf auf: Wer stößt was an, was passiert dann. Diese Liste ist später die Grundlage, um zu entscheiden, ob ein Ablauf in der Cloud, auf eigener Hardware oder gar nicht mehr gebraucht wird.
Phase 2: Weg festlegen
Legen Sie anhand der drei Fragen aus dem Entscheidungsraster fest, welcher Weg zu Ihrer Lage passt, und halten Sie die Entscheidung samt Begründung schriftlich fest. Der Grund: Eine dokumentierte Entscheidung ist im Zweifel Ihr Nachweis, dass Sie bewusst und geordnet gehandelt haben.
Phase 3: Umziehen
Beim Verbleib auf eigener Hardware heben Sie über die Datenbank-Anfügemethode aus 2016 oder 2019 auf die Subscription Edition. Beim Weg in die Cloud ziehen Sie die Inhalte nach SharePoint Online um. In beiden Fällen gilt: erst in einer Testumgebung proben, dann live gehen. Der Grund: Ein Umzug, den Sie einmal trocken durchgespielt haben, hält im Ernstfall, statt Sie zu überraschen.
Phase 4: Alten Server stilllegen
Nehmen Sie den abgekündigten Server nach dem erfolgreichen Umzug vom Netz und dokumentieren Sie das. Der Grund: Ein weiterlaufender, ungenutzter SharePoint 2016 im Netz ist genau die offene Tür, die Sie mit der ganzen Aktion schließen wollten.
Mein Fazit
Der 14. Juli 2026 ist vorbei, und das ist keine schlechte Nachricht, sondern ein Befund. Ihr lokaler SharePoint 2016 oder 2019 bekommt keine Sicherheitsupdates mehr, und ein kostenpflichtiges Verlängerungsprogramm ist für diese Versionen nicht angekündigt. Es gibt drei ordentliche Wege hinaus, und welcher der günstigste ist, entscheidet sich an Ihrer Dokumentenmenge, Ihren Workflows und Ihrer Anforderung an den Speicherort.
Die gute Nachricht: Wer aus 2016 oder 2019 kommt, hat es beim Wechsel auf die Subscription Edition vergleichsweise leicht, und die Cloud nimmt Ihnen den Betrieb ganz ab. Was Sie nicht tun sollten, ist das Naheliegende: den Server einfach weiterlaufen lassen und hoffen, dass nichts passiert. Hoffen ist hier keine Strategie, sondern ein aufgeschobenes Problem mit Zinsen.