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IT-Infrastruktur13 min Lesezeit

VMware-Kostenschock durch Broadcom: Mit Proxmox raus aus der Lizenzfalle - und worauf Sie bei der Migration achten

Bei der VMware-Verlängerung 2026 drohen KMU Preissprünge von 300 bis 600 Prozent. Proxmox VE 9.2 ist eine ernsthafte Alternative. Eine ehrliche Abwägung.

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Berkan Demir
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Ihr VMware-Vertrag läuft aus, und das Angebot für die Verlängerung liegt auf dem Tisch. Die Zahl darauf ist nicht ein bisschen höher als beim letzten Mal. Sie hat sich vervielfacht. Nach der Übernahme von VMware durch Broadcom berichten Fachmedien für mittelständische Kunden Preissteigerungen von 300 bis 600 Prozent bei der Vertragserneuerung (Cloud Magazin, 2026). Damit stehen viele KMU 2026 vor einer Entscheidung, die sie sich nicht ausgesucht haben.

Die Wahl lautet im Kern: zähneknirschend das neue Abonnement zahlen oder die Virtualisierung wechseln. Der häufigste Alternativ-Kandidat heißt Proxmox VE. In diesem Beitrag stelle ich beide Optionen nebeneinander, ehrlich, mit Stärken und Schwächen. Kein Lager-Denken, sondern eine Abwägung für Ihren Betrieb.

Die kurze Antwort zuerst

Für den klassischen Mittelständler mit zwei bis fünf Hosts und 10 bis 50 VMs ist Proxmox VE 9.2 in den meisten Fällen die wirtschaftlich klar bessere Wahl, weil es pro Sockel statt pro Kern lizenziert und alle Funktionen ohne Aufpreis enthält. VMware unter Broadcom rechnet sich nur noch dort, wo eine sehr große, hochintegrierte Umgebung mit spezialisierten Drittanbieter-Tools an vSphere hängt und ein Wechsel mehr kostet als die Verlängerung. Für die meisten KMU ist das nicht der Fall.

Der Bewertungsrahmen: woran Sie die Entscheidung festmachen

Eine Virtualisierungsplattform vergleicht man nicht am Datenblatt, sondern an dem, was sie für Ihren Betrieb bedeutet: planbare Kosten, beherrschbares Risiko, vertretbarer Aufwand. Ich bewerte beide Optionen entlang von sieben Kriterien, die in der Praxis über Erfolg und Frust entscheiden.

  • Lizenzkosten und Preismodell: Was zahlen Sie pro Jahr, und wonach richtet sich der Preis? Pro Kern oder pro Sockel macht bei moderner Hardware einen gewaltigen Unterschied.
  • Funktionsumfang: Sind Hochverfügbarkeit, Live-Migration und zentrales Backup an Bord, und kosten sie extra?
  • Sicherheit und Updates: Wie schnell kommen Patches, wie transparent ist der Code, wie steht es um die Backup-Architektur?
  • Migrations- und Betriebsaufwand: Wie aufwändig ist der Umstieg, und wie viel Know-how braucht der laufende Betrieb?
  • Lock-in: Wie leicht kommen Sie wieder heraus, wenn sich die Bedingungen ändern? Diese Frage stellt sich gerade jetzt sehr konkret.
  • Support und Ökosystem: Wer haftet, wenn es brennt, und wie groß ist die Community und das Partner-Netz?
  • Planbarkeit: Können Sie die Kosten der nächsten drei Jahre seriös kalkulieren, oder hängen Sie an der Preispolitik eines Anbieters?

Hinweis

Ich vergleiche hier den Hypervisor und die Plattform, nicht Ihre Anwendungen. Ob Ihre Fachsoftware, Ihr ERP oder eine spezielle Appliance einen Plattformwechsel mitmacht, ist eine eigene Prüfung. Genau die mache ich vor jeder Migration zuerst.

Option A: VMware vSphere unter Broadcom

VMware war zwei Jahrzehnte der Standard. Die Technik ist ausgereift, das Ökosystem riesig, das Wissen in vielen IT-Abteilungen vorhanden. Das ist real und zählt. Doch seit der Übernahme durch Broadcom hat sich das Geschäftsmodell grundlegend geändert, und genau das trifft den Mittelstand hart.

Kosten und Preismodell: der Bruch mit dem Bisherigen

Drei Änderungen wirken zusammen. Erstens gibt es keine unbefristeten Lizenzen mehr, nur noch Abonnements. Zweitens wird nicht mehr pro CPU oder Sockel lizenziert, sondern pro physischem CPU-Kern. Drittens gibt es harte Mindestabnahmen.

Laut Broadcom müssen Sie pro physischer CPU mindestens 16 Kerne lizenzieren, auch wenn die CPU weniger als 16 Kerne hat (Broadcom Knowledge Base, 2026). Sie zahlen also schon bei kleineren CPUs für Kerne, die Ihre Hardware gar nicht besitzt. Ein zusätzliches Minimum von 72 Kern-Lizenzen pro Bestellung hatte Broadcom 2025 eingeführt, nach heftigem Widerstand aus dem Markt aber wieder zurückgenommen; verbindlich ist heute das 16-Kern-Minimum je CPU (Broadcom Knowledge Base, 2026). Lassen Sie sich die konkreten Mindestmengen für Ihren Fall daher schriftlich bestätigen, denn die Praxis variiert je nach Vertriebskanal und Region.

Achtung

Die berichteten 300 bis 600 Prozent Preissteigerung sind eine berichtete typische Größenordnung aus einem Fachmedium (Cloud Magazin, 2026), keine von Broadcom bestätigte Zahl. Broadcom selbst nennt keine Prozentwerte. Der europäische Cloud-Verband CISPE hat am 19. März 2026 bei der EU-Kommission eine Wettbewerbsbeschwerde gegen Broadcom eingereicht und beziffert kumulierte Steigerungen sogar auf mehr als 1.000 Prozent (Borncity, 2026). Die Werte streuen je nach Ausgangsvertrag stark. Verlassen Sie sich nicht auf eine Prozentzahl, sondern lassen Sie sich ein konkretes Angebot machen und rechnen Sie es gegen.

Für einen Geschäftsführer heißt das: Eine Kostenposition, die jahrelang stabil war, wird zu einem Risiko, das Sie nur begrenzt steuern. Genau diese Unplanbarkeit ist für viele der eigentliche Schmerz, nicht die einzelne Rechnung. Sie budgetieren ein Jahr im Voraus, und die wichtigste Infrastruktur-Position lässt sich nicht mehr verlässlich fortschreiben. Das ist nicht nur teuer. Das ist Kontrollverlust.

In meinen Bestandsaufnahmen sehe ich oft, dass die Lizenzkosten gar nicht das einzige Problem sind. Hinzu kommt der Aufwand, das neue Kern-Modell überhaupt korrekt zu zählen. Wer vorher pro Sockel dachte, muss jetzt jede CPU, jeden Kern und die Mindestmengen prüfen. Fehler in dieser Rechnung kosten bares Geld, in beide Richtungen.

Funktionsumfang, Sicherheit, Support

Technisch liefert VMware nach wie vor eine sehr ausgereifte Plattform: Live-Migration, Hochverfügbarkeit, ein dichtes Werkzeug-Ökosystem und breiter Hersteller-Support für Hardware und Software. Wer eine große, komplexe Umgebung mit vielen Drittanbieter-Integrationen betreibt, findet hier viel Reife. Der Support ist professionell, aber inzwischen über teurere Pakete gebündelt.

Lock-in und Planbarkeit

Hier liegt die eigentliche Schwäche der aktuellen Situation. Die Preispolitik hat gezeigt, wie abhängig ein Betrieb von einem einzigen Anbieter sein kann. Wer heute verlängert, verlängert in ein Modell, dessen Bedingungen sich kurzfristig erneut ändern können. Planbarkeit über drei Jahre ist schwer, solange die Strategie des Anbieters auf Marge statt auf Bindung setzt.

Hinweis

Broadcom schreibt vor, dass mindestens 16 physische Kerne je CPU lizenziert werden müssen, auch wenn die CPU weniger Kerne besitzt (Broadcom Knowledge Base, 2026). Bei modernen Servern mit zwei CPUs zu je 24 oder 32 Kernen summiert sich das schnell zu Lizenzmengen, die jenseits Ihres tatsächlichen Bedarfs liegen.

Option B: Proxmox VE 9.2

Proxmox VE ist ein quelloffener Hypervisor auf Debian-Basis, entwickelt von einem Wiener Unternehmen. Er kombiniert Virtualisierung (KVM) und Container (LXC) in einer Weboberfläche und richtet sich seit Jahren genau an Betriebe, die professionelle Virtualisierung ohne Lizenz-Akrobatik wollen. Die aktuelle stabile Version ist 9.2, veröffentlicht am 21. Mai 2026 auf Basis von Debian 13.5 "Trixie" mit Linux-Kernel 7.0 (Proxmox, 2026).

Kosten und Preismodell: der entscheidende Unterschied

Proxmox VE wird pro physisch belegtem CPU-Sockel lizenziert, nicht pro Kern (Proxmox-Preisseite, 2026). Das ist der Hebel, der die Rechnung dreht. Die Stufen kosten 120 Euro (Community), 370 Euro (Basic), 550 Euro (Standard) und 1.100 Euro (Premium) pro Sockel und Jahr. Ein Server mit zwei Sockeln in der Basic-Stufe kostet also 740 Euro im Jahr, unabhängig davon, ob auf den Sockeln 16 oder 64 Kerne sitzen.

Vergleichen Sie das mit einem Kern-Modell, das eine Mindestmenge erzwingt. Wo das eine pro Kern und mit Untergrenze rechnet, rechnet das andere pro Sockel und ohne Untergrenze. Genau hier entsteht die berichtete Ersparnis. Ein österreichisches KMU mit 79 virtuellen Maschinen erreichte nach dem Wechsel von VMware auf Proxmox Basic eine Ersparnis von 83 Prozent (Cloud Magazin, 2026). Das ist ein Einzelbeispiel und keine Garantie für Ihren Betrieb, aber es zeigt die Größenordnung, in der sich der Hebel bewegt.

Tipp

Rechnen Sie Ihren eigenen Fall in fünf Minuten überschlägig durch: Zählen Sie die belegten CPU-Sockel über alle Hosts. Multiplizieren Sie mit dem Preis der gewünschten Stufe. Das ist Ihre jährliche Proxmox-Position. Stellen Sie ihr das aktuelle VMware-Angebot gegenüber. Die Differenz ist kein Marketing, sie steht auf zwei offiziellen Preisseiten.

Funktionsumfang: alles drin, ohne Stufen-Spiel

Der wichtigste Punkt für KMU: Alle Funktionen von Proxmox VE, inklusive Hochverfügbarkeit, Live-Migration und Clustering, sind in jeder Subscription-Stufe und sogar ohne Subscription nutzbar (Proxmox, 2026). Bezahlt wird ausschließlich für den Zugang zum Stable-Repository und für Support. Sie zahlen nicht für Funktionen, Sie zahlen für getestete Updates und einen Ansprechpartner.

Version 9.2 bringt einige Neuerungen, die gerade für Betriebe ohne eigene IT-Abteilung praktisch sind. Ein neuer Dynamic Load Balancer verteilt VMs im Cluster automatisch auf die am wenigsten ausgelasteten Knoten. Weniger manuelles Nachsteuern. Hinzu kommen ein erweitertes Software-Defined-Networking mit WireGuard als Fabric-Protokoll, die Verwaltung eigener CPU-Modelle über die Oberfläche (relevant bei gemischter Hardware) und ein HA-Arm/Disarm für geplante Wartungsfenster, mit dem sich Hochverfügbarkeits-Aktionen gezielt aussetzen lassen.

Sicherheit und Backup

Quelloffenheit ist hier kein Ideologie-Punkt, sondern ein Prüfbarkeits-Punkt. Der Code ist einsehbar, die Debian-Basis bekommt Sicherheitsupdates aus einem etablierten Ökosystem, und es gibt keine Blackbox, deren Innenleben Sie nur vom Hersteller glauben müssen.

Beim Backup spielt Proxmox seine zweite Karte aus: den Proxmox Backup Server (PBS), aktuell in Version 4.2 vom 29. April 2026 (Proxmox, 2026). PBS macht inkrementelle, deduplizierte Backups. Nur geänderte Blöcke werden übertragen, und jeder Snapshot bleibt trotzdem ein vollständiges Backup. Dazu kommen S3-gestützter Backup-Speicher und verbesserte Sync-Sicherheit. Für ein 3-2-1-Konzept, das auch im Ernstfall trägt, ist das eine solide Basis.

Achtung

Ein Backup, das eingerichtet, aber nie wiederhergestellt wurde, ist kein Backup, sondern eine Hoffnung. In meiner Praxis sehe ich bei den meisten Bestandsaufnahmen Backup-Jobs, die seit Monaten grün melden und nie getestet wurden. Egal welche Plattform Sie wählen: Testen Sie mindestens einen vollständigen Restore, bevor Sie die alte Umgebung abschalten.

Lock-in und Support

Beim Lock-in dreht sich das Bild gegenüber Option A. Proxmox setzt auf offene Standards und das verbreitete qcow2-Format. Sie sind nicht an einen einzigen Anbieter gebunden, und die Subscription ist optional, nicht erzwungen. Der Support kommt direkt vom Hersteller in Wien sowie über ein wachsendes Partner-Netz. Das Ökosystem ist kleiner als bei VMware, aber aktiv und ausreichend dokumentiert.

Die ehrliche Schwäche: Wer aus einer reinen VMware-Welt kommt, muss Wissen aufbauen. Bedienung, Netzwerk-Konzepte und Storage funktionieren anders. Das ist kein Hindernis, aber ein Aufwand, den Sie einplanen müssen. Genau hier zahlt sich eine begleitete Einführung aus. Die erste Migration sollte kein Alleingang am Wochenende sein, sondern ein geplantes Vorgehen mit jemandem, der die Stolperfallen kennt.

Sie fragen sich jetzt vermutlich, ob ein quelloffenes Produkt im Ernstfall genug Rückhalt bietet. Eine berechtigte Frage. Die Antwort: Die Subscription gibt Ihnen genau diesen Rückhalt, also getestete Updates und einen Support-Vertrag, ohne dass Sie für die Funktionen extra zahlen. Sie kaufen Verlässlichkeit, nicht Freischaltcodes. Wer maximale Sicherheit will, nimmt eine höhere Stufe und behält trotzdem volle Kostenkontrolle.

Die ehrliche Abwägung: was passt zu welchem Betrieb

Es gibt keinen pauschalen Gewinner. Es gibt einen passenden für Ihren Fall. Hier die Einordnung nach Betriebstyp, ohne Schönfärberei.

Für den typischen KMU-Betrieb (zwei bis fünf Hosts, 10 bis 50 VMs, keine exotischen Appliances) ist Proxmox VE in den meisten Fällen die wirtschaftlich und strategisch bessere Wahl. Die Sockel-Lizenzierung spart deutlich, alle Funktionen sind enthalten, und Sie gewinnen Planbarkeit zurück. Der Migrationsaufwand ist überschaubar.

Für Betriebe mit großer, hochintegrierter VMware-Landschaft, in der spezialisierte Drittanbieter-Tools tief an vSphere hängen oder bei denen vSAN-gestützte beziehungsweise verschlüsselte Disks im Spiel sind, ist die Sache differenzierter. Solche Disks lassen sich nicht ohne Weiteres direkt importieren und brauchen einen Sonderweg. Hier kann es sinnvoll sein, die Migration in Etappen zu planen oder einzelne Komponenten länger auf VMware zu belassen. Die Preisfrage stellt sich trotzdem.

Für Betriebe, die maximale Reife und ein sehr breites Hersteller-Ökosystem zwingend brauchen und bei denen die Lizenzkosten gegenüber den Integrationskosten klein sind, kann eine Verlängerung die ruhigere Variante bleiben. Das ist im Mittelstand allerdings die Ausnahme, nicht die Regel.

Hinweis

Manche stellen den Wechsel als reinen Selbstläufer dar. Das ist zu viel versprochen. Proxmox löst das Kostenproblem überzeugend, aber eine Migration ist Projektarbeit mit echten Stolperfallen. Wer das unterschätzt, tauscht ein Kostenrisiko gegen ein Betriebsrisiko. Beides lässt sich vermeiden, wenn man es sauber plant.

Wenn Sie wechseln: der Migrationspfad in neun Schritten

Falls die Abwägung für Proxmox ausfällt, folgt hier der Pfad, an dem ich mich in der Praxis orientiere. Wichtig vorab: Der offizielle Proxmox-Import-Assistent migriert laufende VMs nicht live. Die Quell-VM auf ESXi muss vor dem Import heruntergefahren werden, sodass eine gewisse Ausfallzeit entsteht (Proxmox VE Wiki, 2026). Planen Sie Wartungsfenster ein.

  1. Ist-Aufnahme und Lizenz-Stichtag: Erfassen Sie Hosts, Sockel, Kerne, VMs und das genaue Ablaufdatum des VMware-Vertrags. Daraus ergibt sich, wie viel Zeit bleibt und wie viele Sockel-Subscriptions anfallen.
  2. Proxmox VE 9.2 installieren und Cluster aufbauen: Mindestens zwei, für echte Hochverfügbarkeit besser drei Knoten. Erst ein 3-Knoten-Cluster (oder 2 Knoten plus QDevice als Quorum) ermöglicht funktionierende HA mit automatischem Neustart bei Hostausfall.
  3. Quell-VMs auf ESXi vorbereiten: Alle Snapshots in vSphere konsolidieren und löschen, denn offene Snapshots sind die häufigste Importfehlerquelle. Bei Windows die VirtIO-Treiber und den QEMU-Guest-Agent bereits auf der ESXi-Seite installieren, solange die VM läuft.
  4. ESXi als Import-Quelle einbinden: In Proxmox unter Datacenter, Storage, Add den Typ ESXi anlegen, Zugangsdaten eintragen. Im Ressourcenbaum erscheinen dann alle importierbaren VMs.
  5. VM mit dem Import-Assistenten übernehmen: Quell-VM herunterfahren, Zielspeicher und Netzwerk-Bridge wählen. Bootmodus passend setzen, also Legacy-BIOS auf SeaBIOS und UEFI auf OVMF mit EFI-Disk.
  6. Optional Live-Import zur Minimierung der Downtime: Liegt die Quell-Disk auf einem für beide Seiten erreichbaren Netzwerk-Share, startet Proxmox die VM früh und lädt die restlichen Daten nach. Vorsicht, denn bei einem Fehlschlag gehen alle seit Start geschriebenen Daten verloren. Nur in stabilen Netzen und nie erstmalig an Produktiv-VMs.
  7. VM nachbereiten: Bei Windows den Storage-Controller schrittweise auf VirtIO SCSI umstellen, sonst Boot-Fehler. CPU-Typ bei einheitlicher Hardware auf host, bei gemischter Hardware auf ein generisches x86-64-Modell. QEMU-Guest-Agent aktivieren.
  8. HA aktivieren und Backup einrichten: Kritische VMs als HA-Ressourcen definieren. Proxmox Backup Server 4.2 aufsetzen mit inkrementellen, deduplizierten Backups, Verify-Jobs, 3-2-1-Konzept und mindestens einem getesteten Restore.
  9. Validieren und ESXi erst dann abschalten: Funktion, Leistung, Netzwerk und Restore jeder VM einige Tage im Echtbetrieb prüfen. Erst nach erfolgreicher Validierung die VMware-Umgebung außer Betrieb nehmen, bis dahin als Fallback behalten.

Achtung

Der gefährlichste Trugschluss ist der HA-Trugschluss. Hochverfügbarkeit funktioniert erst mit Quorum. Ein 2-Knoten-Setup ohne QDevice liefert keine zuverlässige Hochverfügbarkeit, auch wenn die Oberfläche das Gegenteil suggeriert. Planen Sie mindestens drei Knoten oder zwei Knoten plus QDevice ein. Sonst haben Sie HA auf dem Papier und Stillstand im Ernstfall.

Wie lange das dauert? Als Erfahrungs-Richtwert sind 10 bis 20 VMs in etwa drei bis fünf Wochen umstellbar, inklusive Tests. Das ist kein durch eine Primärquelle belegter Wert, sondern eine Einschätzung; bei 50 bis 200 VMs sind eher 8 bis 12 Wochen realistisch. Aus meinen Projekten weiß ich: Die Technik ist selten das Problem. Das Problem sind die übersehenen Sonderfälle, der eine alte Server mit UEFI-Eigenheiten, die eine Appliance, die niemand mehr richtig kennt.

Deshalb beginne ich jede Migration mit einer unkritischen VM als Pilot. Ein Testserver, ein Dienst, der einen kurzen Ausfall verträgt. Daran zeigt sich, ob Treiber, Bootmodus und Netzwerk so funktionieren wie erwartet. Erst wenn der Pilot sauber läuft, gehen die geschäftskritischen Maschinen in die nächste Welle. So bleibt das Risiko klein und kontrollierbar, statt am produktiven System überrascht zu werden.

Mein Fazit

Die Broadcom-Preispolitik hat eine Frage erzwungen, die viele KMU lieber nicht gestellt hätten. Die gute Nachricht: Es gibt eine ernsthafte Antwort. Proxmox VE 9.2 ist kein Bastel-Projekt, sondern eine ausgereifte Plattform, die pro Sockel lizenziert, alle Funktionen mitbringt und Ihnen Planbarkeit zurückgibt. Für den typischen Mittelständler ist der Wechsel wirtschaftlich meist eine klare Sache.

Gleichzeitig bleibe ich ehrlich: Eine Migration ist Projektarbeit. Snapshots, Bootmodi, Treiber, das Quorum für HA und ein getestetes Backup, das sind die Stellen, an denen es schiefgeht, wenn man sie nicht ernst nimmt. Wer das sauber plant und in Etappen testet, hat am Ende eine günstigere und unabhängigere Infrastruktur. Wer hudelt, tauscht ein Kostenproblem gegen ein Ausfallproblem.

Die Entscheidung müssen Sie nicht heute treffen. Aber Sie sollten sie vor dem Ablauf Ihres Vertrags durchgerechnet haben, nicht erst, wenn das Angebot schon auf dem Tisch liegt und die Zeit drückt.

Zwei Checklisten zur Entscheidung

Proxmox VE passt zu Ihnen, wenn:

Sie zwei bis fünf Hosts mit insgesamt 10 bis 50 VMs betreiben und keine exotischen vSphere-Appliances zwingend brauchen.
Ihre aktuelle VMware-Verlängerung deutlich teurer ausfällt als die Summe Ihrer belegten CPU-Sockel mal Proxmox-Stufenpreis.
Sie planbare Jahreskosten und Unabhängigkeit von einem einzigen Anbieter höher gewichten als ein maximal breites Hersteller-Ökosystem.
Sie ein Wartungsfenster für die Migration einplanen können und mindestens drei Knoten (oder zwei plus QDevice) für HA bereitstellen.
Sie bereit sind, einmalig Know-how aufzubauen oder die Einführung begleiten zu lassen.
Sie ein getestetes Backup-Konzept mit Proxmox Backup Server umsetzen wollen, statt sich auf ungetestete Jobs zu verlassen.

Bei VMware bleiben ergibt Sinn, wenn:

Spezialisierte Drittanbieter-Tools tief in vSphere integriert sind und ohne diese Integration zentrale Prozesse stillstehen.
Sie vSAN-gestützte oder verschlüsselte Disks im Einsatz haben, deren Migration einen aufwändigen Sonderweg erfordert.
Ihre Lizenzkosten im Verhältnis zu den Integrations- und Umstellungskosten klein sind.
Sie eine sehr große, hochkomplexe Umgebung betreiben, in der maximale Hersteller-Reife geschäftskritisch ist.
Sie ein verbindliches, durchgerechnetes Verlängerungsangebot vorliegen haben und es nach Prüfung tragbar ist.