Stellen Sie sich vor: Ein Montagmorgen im Oktober. Ein Mitarbeiter hat am Freitag im Büro sein Passwort geändert und kommt an Microsoft 365 nicht mehr heran. Eine neue Kollegin, in der Vorwoche angelegt, wartet immer noch auf ihr Postfach. Kein Server ist abgestürzt, keine Fehlermeldung blinkt rot. Nur die Verbindung zwischen Ihrem hauseigenen Verzeichnis und der Microsoft-Cloud steht still.
Diese Verbindung hat einen Namen: Entra Connect Sync, früher Azure AD Connect. Das ist die Software, die Ihre lokalen Benutzer, Passwörter und Gruppen aus dem Active Directory, dem Benutzerverzeichnis Ihrer Windows-Server, nach Microsoft 365 spiegelt. Und diese Software hat ab jetzt ein Ablaufdatum, das Sie kennen sollten: den 30. September 2026.
Die kurze Antwort zuerst
Auf Sie kommen zwei Termine zu, und die dürfen Sie nicht verwechseln. Der erste ist technisch und gilt für alle: Läuft Ihr Entra Connect Sync am 30. September 2026 unter Version 2.5.79.0, stellt es an diesem Tag die Synchronisation ein. Nicht gedrosselt, nicht in Wellen, sondern komplett. Der zweite Termin ist die geplante Umstellung auf den Nachfolger Cloud Sync. Die läuft phasenweise, jeder Tenant, also Ihre eigene Microsoft-365-Umgebung, bekommt ein individuelles Fenster, und die Benachrichtigungen dazu verschickt Microsoft ab Juli 2026.
Die Trennlinie für Ihre Entscheidung ist einfach. Nutzen Sie Hybrid Azure AD Join, also Geräte, die zugleich im lokalen AD und in Entra registriert sind, Synchronisierung über mehrere AD-Gesamtstrukturen hinweg oder eigene, komplexe Synchronisierungsregeln? Dann ist Cloud Sync für Sie derzeit kein vollständiger Ersatz, und Ihr einziger sicherer Weg über den Stichtag hinaus ist das Update von Connect Sync. Nutzen Sie nichts davon, sind Sie ein Kandidat für die Cloud-Sync-Migration und wahrscheinlich in einer der frühen Wellen. In beiden Fällen gilt: Warten Sie nicht auf den Brief von Microsoft.
Warum der 30. September ein harter Stopp ist, kein freundlicher Update-Hinweis
Laut Microsoft müssen alle Kunden bis zum 30. September 2026 auf die Mindestversion aktualisieren, um Betriebsunterbrechungen zu vermeiden. In der offiziellen Versionshistorie steht das wörtlich: „All synchronization services in Microsoft Entra Connect Sync will stop working on September 30, 2026 if you're not on at least version 2.5.79.0." Auf Deutsch: Sind Sie nicht mindestens auf Version 2.5.79.0, hören an diesem Tag sämtliche Synchronisierungsdienste auf zu arbeiten. Und laut Microsoft ruht der Betrieb dann für den gesamten Zeitraum zwischen dem 30. September 2026 und Ihrem späteren Upgrade. Es gibt keinen automatischen Rettungsanker.
Der Fachblog von Boddenberg bringt die Härte auf den Punkt: „Am 30.09.2026 stellt jede Entra-Connect-Sync-Installation unterhalb Version 2.5.79.0 die Synchronisation komplett ein. Keine Warnung, keine Nachfrist, kein Wochenend-Hotfix."
Achtung
Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Sie vor dem Stichtag eine persönliche Migrationsnachricht erhalten. Die individuellen Umstellungsfenster ab Juli 2026 betreffen den Wechsel zu Cloud Sync. Der Versionsstopp am 30. September 2026 gilt davon unabhängig für jede Installation unter Version 2.5.79.0.
Die geforderte Mindestversion 2.5.79.0 ist nicht neu. Laut Microsoft wurde sie am 1. September 2025 zum Download bereitgestellt, und ab dem 4. September 2025 begannen automatische Upgrades bestehender Installationen in mehreren Phasen. Ein Teil der Betriebe läuft also längst auf einer ausreichenden Version, ohne es aktiv veranlasst zu haben. Nur: Welcher Teil, das sagt Ihnen niemand ungefragt.
Hinweis
Prüfen Sie aktiv, auf welcher Version Ihr Entra Connect Sync läuft, statt anzunehmen, das automatische Upgrade habe Sie schon erreicht. Glück ist keine dokumentierte Risikomanagementmaßnahme.
Der zweite Termin: die Umstellung auf Cloud Sync
Parallel zum Versionsstopp löst Microsoft Entra Connect Sync langfristig durch Cloud Sync ab, eine leichtere Variante, bei der die Sync-Logik in der Cloud liegt und vor Ort nur ein schlanker Agent läuft. Diese Umstellung kommt nicht für alle am selben Tag. Laut Microsoft wird der Übergang in Phasen eingeführt, und Microsoft wendet sich direkt an jede Organisation, wenn deren zugewiesenes Fenster beginnt. Ab Juli 2026 kommen diese Benachrichtigungen über das Microsoft-365-Message-Center, die Benachrichtigungszentrale in der Admin-Oberfläche, über Entra Connect Health, den Überwachungsdienst für die Synchronisierung, und über gezielte E-Mails.
Hier bleibe ich bewusst ehrlich: Die konkreten Enddaten dieser individuellen Fenster sind nicht öffentlich dokumentiert, Microsoft teilt sie nur direkt pro Organisation mit. Fest terminiert und für alle nachlesbar ist allein der Versionsstopp am 30. September 2026. In den ersten Wellen migrieren zuerst Mandanten mit einfachen Konfigurationen, die Cloud Sync vollständig abdeckt. Betriebe mit erweiterten Funktionen oder großem Verzeichnis gehören ausdrücklich nicht zur ersten Welle.
Wer sofort handeln muss und wer noch Zeit hat
In meinen Bestandsaufnahmen bei Betrieben dieser Größe sehe ich immer wieder dasselbe Muster: Die Frage ist nie nur, welche Version läuft, sondern was die Synchronisierung überhaupt leisten muss. Daran entscheidet sich Ihr Weg. Zwei typische Profile.
Profil A: der einfache Fall. Stellen Sie sich ein Berliner Beratungsbüro mit 25 Arbeitsplätzen vor. Ein einziges Active Directory, die Notebooks sind ausschließlich mit der Cloud verbunden, keine Verzweigung über mehrere Gesamtstrukturen, keine handgeschriebenen Sonderregeln. Sofort migrieren kann laut Microsoft, wer kein Hybrid Azure AD Join nutzt oder bereit ist, auf Cloud Kerberos Trust, ein cloud-basiertes Anmeldeverfahren, umzustellen. Dieses Büro erfüllt das. Meine Empfehlung für dieses Profil: Aktualisieren Sie Connect Sync jetzt auf die aktuelle Version, damit der 30. September kein Thema ist, und bereiten Sie parallel den geordneten Wechsel zu Cloud Sync vor. Sie werden voraussichtlich früh benachrichtigt.
Profil B: der komplexe Fall. Stellen Sie sich ein Berliner Ingenieurbüro mit rund 60 Mitarbeitern vor, das nach einer Firmenübernahme zwei getrennte AD-Gesamtstrukturen synchronisiert, dessen Geräte per Hybrid Azure AD Join in beiden Welten registriert sind und dessen IT über die Jahre eigene Synchronisierungsregeln gebaut hat. Für diesen Betrieb ist Cloud Sync heute kein Eins-zu-eins-Ersatz. Meine Empfehlung für dieses Profil: Rechnen Sie nicht damit, dass die Migration Ihr Versionsproblem löst. Ihr Pflichtweg bis zum 30. September ist das Update von Connect Sync auf die aktuelle Version. Den Umstieg auf Cloud Sync planen Sie erst, wenn er die Funktionen abdeckt, auf die Ihr Betrieb angewiesen ist.
Was Cloud Sync heute noch nicht kann
Cloud Sync ist der klare Zielzustand, aber noch nicht überall ein vollwertiger Ersatz. Manche stellen es als reinen Knopfdruck-Umzug dar. Das ist zu viel versprochen. Laut Microsofts eigenem Entscheidungsleitfaden fehlen Cloud Sync heute mehrere Funktionen, die Connect Sync mitbringt:
- Hybrid Azure AD Join: Die Gerätesynchronisierung unterstützt derzeit nur Connect Sync, nicht Cloud Sync.
- Cross-Forest-Referenzen: Objektbeziehungen über mehrere AD-Gesamtstrukturen hinweg beherrscht nur Connect Sync.
- Komplexe Synchronisierungsregeln: Cloud Sync bietet nur einen Ausdruckseditor (Expression Builder), nicht die volle Regel-Engine von Connect Sync.
- Mengengrenzen: Cloud Sync ist auf 50.000 Mitglieder pro Gruppe und 150.000 Objekte pro Domäne begrenzt, Connect Sync auf 250.000 Mitglieder und ohne festes Objektlimit. Für einen Betrieb Ihrer Größe selten der Engpass, für große Verzeichnisse schon.
Werkzeug, nicht Wundermittel. Für die Gerätesynchronisierung stellt Microsoft eine künftige Unterstützung in Aussicht, nennt dafür aber kein Datum. Solange dieses Datum fehlt, planen Sie mit dem, was heute belegt ist, nicht mit einer Ankündigung.
Ihr Fahrplan bis zum 30. September 2026
- Version feststellen. Ermitteln Sie, welche Version von Entra Connect Sync tatsächlich auf Ihrem Sync-Server läuft. Der Grund: Alles Weitere hängt an dieser einen Zahl, und Annahmen darüber sind wertlos.
- Auf die aktuelle Version aktualisieren, nicht nur auf das Minimum. Der Grund: Die Mindestversion 2.5.79.0 ist selbst nur bis zum 23. Oktober 2026 unterstützt. Wer heute exakt auf das Minimum geht, steht in wenigen Wochen wieder vor demselben Update.
- Funktionsbedarf klären. Prüfen Sie, ob Sie Hybrid Azure AD Join, Synchronisierung über mehrere Gesamtstrukturen oder eigene Regeln nutzen. Der Nutzen: Sie wissen danach, ob Cloud Sync für Sie schon in Frage kommt oder ob Connect Sync vorerst Ihr Weg bleibt.
- Kanäle scharfstellen. Sorgen Sie dafür, dass Meldungen aus dem Message Center und aus Entra Connect Health bei einer verantwortlichen Person landen, nicht in einem Sammelpostfach. Der Grund: Ihr individuelles Migrationsfenster wird genau über diese Kanäle angekündigt.
Tipp
Halten Sie die ausgelesene Version schriftlich fest, mit Datum. So haben Sie im Zweifel einen Nachweis, wann Sie den Stand geprüft haben, und diskutieren später nicht aus dem Gedächtnis.
Achtung
Bleiben Sie nicht auf der Mindestversion 2.5.79.0 stehen. Sie ist nur bis zum 23. Oktober 2026 unterstützt. Direkt nach dem Hard-Stop stünde damit schon das nächste Pflichtupdate an.
Mein Fazit
Der 30. September 2026 ist unangenehm, aber beherrschbar, sobald Sie aufhören, zwei verschiedene Dinge in einen Topf zu werfen. Der Versionsstopp ist hart, universell und gut dokumentiert. Er trifft jede Installation unter Version 2.5.79.0, unabhängig davon, ob und wann Sie eine Migrationsnachricht bekommen. Dagegen hilft ein einziges, planbares Update.
Die Umstellung auf Cloud Sync ist der zweite, langsamere Vorgang. Sie kommt individuell, sie wird angekündigt, und ob sie für Ihren Betrieb heute schon passt, hängt an Ihren Funktionen, nicht an einem Kalenderblatt. Die gute Nachricht: Sie müssen dafür kein Sync-Experte werden. Sie müssen nur Ihre Version kennen, Ihren Funktionsbedarf klären und die richtigen Kanäle beobachten. Was Sie nicht tun sollten, ist das Naheliegende: den Brief von Microsoft abwarten und den 30. September für ein reines Migrationsthema halten.